Kampf der Elektronikkonzerne

Entwicklung und Instrumentalisierung der Göbellegende durch Elektronikkonzerne 

Ab 1885 verklagte die Edison Electric Lights Co. zahlreiche Glühlampenhersteller hinsichtlich der Patentverletzung. Mehrere andere Firmen produzierten und verkauften zu dieser Zeit vergleichbare Glühlampen, wie v.a. die US Electric Lighting Company oder die Westinghouse Electric Company. Um das bestehende Monopol auf Glühlampen zu brech, kontaktierte ein Hersteller aus Boston 1893 Heinrich Göbel, um dessen eidesstattliche Erklärung zu seinen Vorteilen zu nutzen. Göbel hatte erklärt, dass er bereits 1854 eine funktionstüchtige weißglühende Glühlampe entwickelt habe, für die er jedoch (möglicherweise aus Unwissenheit) kein Patent anmeldete, obwohl er das für seine anderen Erfindungen sehr wohl tat. Damit wäre das Patent Edisons von 1879 hinfällig gewesen.

Mögliche Gründe nach H.- C. Rohde, warum Göbel keine funktionsfähige Glühlampe entwickeln konnte:
1. Die notwendige Energie konnte lediglich eine Batterie mit 300-400 Pfund, die sowohl zu schwer als auch zu teuer war, liefern.
2. Fehlende Fähigkeit, um in einem Behältnis ein Vakuum zu erzeugen.
3. Keine Möglichkeit zur präzisen Fertigung eines langen, dünnen Kohlefadens mit gleichmäßigem Querschnitt.
Diese Gründe sind aber umstritten. (s. u.a. Friedrich)

In den darauffolgenden Patentprozessen (3 Prozesse: Beacon Vacuum Pump & Electrical Company; Columbia Incandescent Lamp Company; Electric Manufacturing Company) kam es allmählich zu Zweifeln an der Richtigkeit und Authentizität der Aussage Göbels. 
→ Im Urteil eines der drei Prozesse wurde lediglich festgestellt, dass sich die Darstellung Göbels nicht eindeutig ausschließen lasse, wodurch im Nachhinein Göbel oft die Urheberschaft der Erfindung der Glühlampe wider besseren Wissens zugeschrieben wird. 

Ein Sachverständiger und Unterstützer Göbels, Franklin L. Pope, stellte ihn in seinen Publikationen als übersehenes Erfindergenie dar. Die aus der gemeinsamen Unternehmung mit Edison hervorgehende Rivalität zwischen ihm und Pope führt zu Popes persönlichem Interesse daran, das Edison-Patent zu diskreditieren, während die Edison-Wettbewerber vermutlich eher ein industrielles Interesse an dieser sogenannten Goebel-Defense hatten. So wurde Göble möglicherweise als ein Mittel im Machtkampf der Elektronikkonzerne instrumentalisiert. Ging es Göbel also weder um Geld, noch um die Erfinderehre und lieferte sich in den Prozessen lediglich die amerikanische Industrie einen Kampf um Marktanteile und Gewinn? Die wahren Motive sind umstritten und lassen sich heute nur noch schwer nachweisen.
Das Edison-Patent lief 1894 frühzeitig aus und damit entfiel auch der Streitgrund, sodass die Prozesse nicht zu Ende geführt wurden.




Quellen:
- Cosmos Media UG, "Der Erfinder der Glühbirne: Edison oder Göbel? - Patentstreit der Wissenschaftler, https://www.helles-koepfchen.de/erfinder_der_gluehbirne.html [14.10.18]
- Jürgen Kaube, Rezension zu H.-C. Rohde, Die Göbel Legende", http://www.deutschlandfunkkultur.de/wer-die-gluehbirne-wirklich-erfand.950.de.html?dram%3Aarticle_id=134885 [14.10.18]
- Planet Schule.de, "Glühlampen von Heinrich Goebel?", https://www.planet-schule.de/warum/gluehlampe/themenseiten/t3/s2.html [14.10.18]
- Hans-Christian Rohde: Die Göbel-Legende. S. 56
- Friedrich Schröder: "„Göbel-Legende“ deckt „Nichtgeheimnis“ auf"", Förderverein für die Stadtgeschichte von Springe (Hg.), Springer Jahrbuch 2018, 2018
- Wikipedia, "Heinrich Göbel - Technische Realisierbarkeit", https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_G%C3%B6bel#Technische_Realisierbarkeit [14.10.18]
- Wikipedia, "Heinrich Göbel - Entwicklung der Göbel-Legende", https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_G%C3%B6bel#Entwicklung_der_Göbel-Legende [14.10.18]

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